Minister gegen Merkel: Der Putsch Eine Kolumne von Jakob Augstein

Germany CabinetDie Flüchtlingskrise wird zur Regierungskrise. Schäuble und de Maizière machen Politik auf eigene Rechnung. Merkel hat die Richtlinienkompetenz verloren.

Kontrollverlust. So lautet der Vorwurf, der Angela Merkel in der Flüchtlingskrise gemacht wird. Zu Recht. Eine Kanzlerin ohne Kontrolle ist eine Kanzlerin in der Krise. Aber Merkels Problem sind nicht die Fremden. Sondern ihre Freunde. Niemand sollte von Merkel erwarten, die Flüchtlingsströme im Griff zu haben. Aber man muss von ihr erwarten, dass sie ihre Regierung im Griff hat. Kontrolle über die Flüchtlingsströme ist eine Illusion. Kontrolle über die eigenen Minister eine Notwendigkeit. Wir erleben die Entmachtung einer Kanzlerin. Ist es für ein Machtwort schon zu spät?
Diese Regierung regiert nicht einmal mehr sich selbst. Die Flüchtlingskrise ist zur Regierungskrise geworden. Chaostage im Kanzleramt. Die Ereignisse überschlagen sich: Erst einigt sich die Koalition auf eine neue Asylpolitik. Dann kommt der Innenminister plötzlich mit einer deutlichen Verschärfung des Vereinbarten um die Ecke. Gleich darauf muss er das jedoch wieder zurücknehmen, und der Sonderbeauftragte der Kanzlerin teilt mit, es bleibe alles beim Alten. Und weil das noch nicht genug Unordnung ist, meldet sich dann Wolfgang Schäuble zu Wort und stärkt dem Innenminister den Rücken. Schäuble, der Schattenkanzler, der vor Kurzem daran erinnert hat, dass er jetzt gerade so alt ist wie Adenauer war, als er das erste Mal Kanzler wurde.Ein schmutziges Machtspiel

Es geht um keine Kleinigkeit: Wie lange dürfen die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien bleiben? Haben sie das Recht ihre Familien nachzuholen? Nach dem Asylkompromiss der vergangenen Woche lauteten die Antworten auf diese Fragen immer noch: drei Jahre und ja. Aber dann stellte sich heraus: Der Innenminister hatte mit gezinkten Karten gespielt. Es gibt den sogenannten subsidiären Schutz – nur ein Jahr Aufenthalt und kein Familiennachzug. Nach der Vereinbarung der vergangenen Woche sollte das eigentlich nur für eine ganz kleine Gruppe gelten, 1700 Menschen. Plötzlich teilte de Maizière mit, auch die Syrer sollten unter diese Regelung fallen – und die stellen ja die größte Gruppe unter den Flüchtlingen. De Maizière als Trickser.

Um solches Chaos auszuschließen hatte Angela Merkel ihren Vertrauten Peter Altmaier zum Koordinator für Flüchtlingsfragen gemacht. Aber als man ihn zu de Maizières Vorstoß befragte, musste Altmaier einräumen: „Ich persönlich habe es nicht gewusst, das ist richtig.“ Wenn er gehofft haben sollte, die Sache sei damit ausgestanden, dann hatte er die Rechnung ohne Schäuble gemacht. Der nannte am Sonntagabend im Fernsehen, de Maizières Entscheidung „notwendig“.

Das ist ein schmutziges Machtspiel auf dem Rücken zehntausender Frauen und Kinder. Ihre Männer und Väter sind in Deutschland. Es sind die alleinreisenden Männer, vor denen die Deutschen sich so fürchten. Und jetzt wollen Schäuble und de Maizière ihnen verbieten, ihre Familien nachzuholen? Es sind die Muslime, um deren Integration sich die Deutschen so sorgen. Und jetzt wollen Schäuble und de Maizière ihnen diese Integration unmöglich machen? Wenn man diesen Familien keinen legalen Weg öffnet, wieder zusammenzufinden, werden sie illegale Wege suchen, die gefährlichen, die tödlichen. Noch mehr Kinderleichen werden an südlichen Stränden liegen.Eine solche Politik hätte also weder Herz noch Verstand. Aber das kümmert Schäuble und de Maizière nicht mehr. Sie kennen jetzt nur noch ein Ziel: Die Zahl der Ausländer darf nicht weiter steigen. Weil der Hass auf die Ausländer in Deutschland gefährliche Ausmaße annimmt. Weil sich die Republik verändert. Aber es sind nicht die Ausländer, die Deutschland verändern – es sind die Deutschen. Schäuble und de Maizière haben sich mit der öffentlichen Meinung gegen die eigene Regierung verbündet. Sie glauben die Mehrheit der Bevölkerung auf ihrer Seite. Und die SPD? Die glaubt das in Wahrheit auch.

Es gibt für das Verhalten Thomas de Maizières und Wolfgang Schäubles ein Wort: Putsch.

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Alles richtig –

Aber – principiis obsta – das hat Merkel (kohlgelernt?;( in den Wind geschlagen:
Schäubles öffentliche Rücktrittsdrohung – war der point of no return.
Denn einmalig in der demokratischen Nachkriegsgeschichte – hatte dies eben nicht die sofortige Demission zur Folge.
Aussitzen – zeigt sich jetzt – ganz unverhohlen – war hier das evident
Falsche des bisher so machtinstinktsicheren – erkennbar auch real angeschlagenen FDJ-Winkelements.

Diesen kaum glaublichen Fehler nutzen das  Triumvirat infernale _
exMielkeaufRädern 2.0 Gröfimaz Wolfgang S. / FrozenThomas DeHugo´not & Seehofers Vollhorst rücksichts- & gnadenlos aus;
der Jahreszeit entsprechend kaltschnäuzig.
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War länger nicht on wire;)
Kleine Frage – hatte was kurz nach 17 Uhr kommentiert unter principiis obsta –

Hab ich was verpaßt – ist Zensur eingeführt – gibts nogo-wörter – son katalog etc ???

Mein Beitrag enthält nix mir gegenwärtig anrüchiges etc – wurden früher auch kommentarlos eingerückt wie im freitag etc.

Etwas ratlos – mich mit undurchsichtig anonymen Zensoren – die natürlich keine sein wollen – Gott&Rudolf bewahre – rumschlagen –
Neje Tak!
Also laßt mal rüberwachsen – was gebacken is – wie et jot kölsch heißt;)
lg karl k

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaeuble-und-de-maizieres-eigene-fluechtlingspolitik-kolumne-a-1061820.html
JAKOBAUGSTEINimage-429040-thumbflex-kjrq

Geheimpapiere über US-Drohnenkrieg Find, Fix, Finish – Dorothea Hahn

US-KampfdrohneEin Whistleblower gibt Einblick in den Drohnenkrieg der USA: Für eine Zielperson töten Drohnen neun weitere Menschen. Mehr als 100 gucken zu.

NEW YORK taz | Ein „Jackpot“ ist ein Volltreffer. So etwas ist auch im Drohnenkrieg extrem selten, wie Recherchen der Webseite The Intercept offen legen. Gemeint ist in diesem Zusammenhang die gezielte Tötung eines Menschen auf Grundlage einer Entscheidung von Geheimdiensten, Pentagon und Weißem Haus. Laut Interceptkommt es vor, dass die USA für eine einzige Person, die auf einer „Kill-Liste“ von Washington steht, in Afghanistan neun weitere Menschen tötet. Im US-Militärjargon werden diese nicht anvisierten Kollateral-Toten posthum zu „im Kampf getöteten Feinden“ gemacht.

Ein anonymer Whistleblower aus dem Sicherheitsapparat hat diese und andere Interna aus dem Drohnenkrieg der USA an Interceptgegeben. Dort sind sie am Donnerstag in mehreren Artikeln unter dem Titel „Drone Papers“ erschienen. Die darin reproduzierten Dokumente zeigen die eingespielte Routine im Drohnenkrieg, die große Zahl von Mitwissern und Beteiligten, die Vertuschungsmethoden sowie die Entwicklung einer eigenen Sprache. Darin sind Menschen „Ziele“. Heißt ihre Auswahl, Verfolgung und Tötung: „Find, Fix, Finish“. Und werden ihre Daten auf „Baseball Cards“ aufgelistet. Letztere gehen als Entscheidungshilfe durch die Institutionen.

„Die Quelle“, so schreibt Journalist Jeremy Scahill, einer der Autoren der Veröffentlichung, „fand die ungeheuerliche Explosion von Watchlisting (…) für Todesurteile ohne Mitteilung und ohne Urteil (…) von Anfang an falsch“. Der Name und die Position der „Quelle“ sind unbekannt. Aber die Sozialen Medien haben sie umgehend zu einem neuen Edward Snowden gemacht.

Der ehemalige NSA-Mitarbeiter selbst, der seine eigenen Enthüllungen vor etwas über zwei Jahren gemacht hat und seither andere zur Nachahmung auffordert, tweetete aus seinem russischen Exil, es handele sich um „die wichtigste Geschichte des Jahres über nationale Sicherheit“. In Washington lehnte das Pentagon jeden Kommentar ab. Begründung: Er äußere sich nicht zu „internen, geheimen Dokumente“.

Bei Todesentscheid „Zeitfenster“ von 60 Tagen

Die meisten US-Medien schwiegen am Donnerstag über die Enthüllungen aus dem Drohnenkrieg. Stattdessen konzentrierten sie sich auf Barack Obamas Ankündigung vom Vormittag über den Afghanistankrieg. Der Präsident, der den vollständigen Abzug der US-Soldaten angekündigt hatte, will nun die US-Militärpräsenz verlängern. Im nächsten Jahr sollen weiterhin mehr als 9.000 und im übernächsten Jahr immer noch 5.500 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz sein. Damit wird Obama im Januar 2017 den Afghanistankrieg an seineN NachfolgerIn vererben.

Die „Drone Papers“ reproduzieren Schaubilder in deren Kopfzeile die Worte zu lesen sind: „secret“ und „noforn“ – für: geheim und nicht für Ausländer. Ein mehrfarbiges Schaubild aus dem Jahr 2013 zeigt die Entscheidungsfindung über Leben und Tod in Jemen und Somalia. Sieben gelbe Pfeile führen von Undercoveragenten vor Ort, über militärische Befehlshaber, hin zu mehreren Regierungsmitgliedern und Spitzenfunktionären bis ins Weisse Haus und zu dem Schreibtisch von POTUS (Kürzel für US-Präsident).

Wenn alle zustimmen, verfügen die Militärs anschließend über ein „Zeitfenster“ von 60 Tagen zum Töten. Auf dem Schaubild steht an dieser Stelle ein rot umrandeter vielzackiger gelber Stern, in dessen Mitte die Buchstaben „Stk“ stehen. Für den Fall, dass eine Person in der Kette der Autorisierung eines „Ziels“ widerspricht, wird die Aktion gestoppt. Neben anderen Regierungsmitgliedern war in dieser Kette auch Hillary Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin an Drohnentötungen beteiligt.

Unter Obama mindestens 2.500 Tote durch Drohnen

Präsident Obama hat in seiner Amtszeit den Drohnenkrieg zu einer zentralen Waffe im Kampf gegen den Terror gemacht. Bis zum Januar dieses Jahres hat seine Regierung nach Recherchen des Londoner „Bureau of Investigative Journalism“ mindestens 2.500 Menschen mit Drohnen getötet. Unter den Toten waren sowohl US-amerikanische als auch europäische Staatsangehörige.

Im Januar 2012 traf es den britisch-libanesischen Staatsangehörigen Bilal el-Berjawi. Laut Intercept hatten die US-Behörden ihn fünf Jahre lang bei Reisen zwischen Somalia und Großbritannien überwacht. Dabei hätten sie verschiedentlich Gelegenheiten gehabt, ihn zu verhaften. Doch offenbar waren sie nicht daran interessiert, ihn zu verhören. Stattdessen erkannten Großbritannien ihm die britische Staatsangehörigkeit ab und die USA töteten ihn per Drohne in Somalia.

Die Enthüllungen von Intercept zeigen auch, dass zahlreiche Amtsträger in den Drohnenkrieg involviert sind. Nach dem langen Meinungsbildungsprozess verfolgen am Tag der Tötung mehr als 100 Personen die Bilder aus der Drohne. Das sind mehr als 100 Mitwisser, die schweigen.
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Dorothea Hahn – as usual USA-Obama et al – konsequent –
Außerhalb des Völkerrechts -> Ein Schurkenstaat.

Klartext – Danke.
——–Geschreddert
Keyboardklemmer die x-te?
-> 2.0 & s.o.

http://www.taz.de/Geheimpapiere-ueber-US-Drohnenkrieg/!5243773/

Essay Roma in Osteuropa Illusion der ethnisch reinen Nationen – Stephan Müller

Bulgarian police stands guard as excavator demolishes house in Roma suburb in city of Stara ZagoraViele osteuropäische Staaten glauben, Roma gehörten nicht dazu, und stecken sie in Ghettos. Dabei waren die Länder schon immer multikulturell.

Ungarn, Bulgarien, Tschechien und die Slowakei gehören derzeit zu den Ländern, die sich gemeinsam mit den baltischen Staaten und Polen am stärksten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehren und sich um politische, rechtliche und moralische Standards nicht kümmern. Nicht nur gehören diese Staaten selbst zu den Ländern, die einen hohen Anteil von Wirtschaftsmigranten in andere Länder der EU entsenden. Ungarn, Tschechien, Bulgarien, Slowakei und Rumänien sind auch die EU-Staaten, die den höchsten Anteil an Roma an der Gesamtbevölkerung aufweisen.

In alle diesen Ländern gibt es zudem viele Politiker egal welcher Couleur, die Roma nicht zu ihrer „Nation“ zählen und nichts dagegen hätten, sie loszuwerden, wie sie auch keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, um eine ethnisch reine Nation zu „verteidigen“, die so in dieser Form in keinem dieser Länder je existiert hat.

Viktor Orbán, der ungarische Premier, meinte zum Beispiel, dass irgendwer irgendwann den Ungarn die Roma aufgebürdet habe, ohne die Ungarn zu fragen, und daher wollten sie keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Orbán behauptet auch, Ungarn sei nie ein multikulturelles Land gewesen – eine völlig absurde Aussage, die trotzdem im Land geglaubt wird. Ähnliche Aussagen kann man aber auch aus anderen Ländern hören.

Vereinfacht gesprochen gibt es drei Bereiche, in denen ein Austausch zwischen verschiedenen Gruppen stattfinden kann: Nachbarschaft, Schule, Arbeitsplatz. In Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Tschechien oder der Slowakei lässt sich aber in all diesen Bereichen in den vergangenen zwanzig Jahren eine immer stärker werdende Segregation beobachten – das heißt, dass der direkte, persönliche Kontakt zwischen Roma und Nicht-Roma zurückgeht. Das leistet wiederum Vorurteilen, Rassismus und Hassreden Vorschub, die wiederum die Ausgrenzung und die Segregation weiter verstärken.

Viele Roma leben in abgeschlossenen Gettos, das heißt, entweder in heruntergekommenen Wohnblocks und Slums in der Großstadt oder in ländlichen Siedlungen, wo es an Infrastruktur mangelt oder diese ganz fehlt. In Bulgarien gibt es Roma-Gettos, die einige zehntausend Bewohner zählen. Stadtverwaltungen investieren kaum in solche Siedlungen und wer es sich leisten kann, zieht fort.

Für behindert erklärt

In Ungarn und der Tschechischen Republik setzen die Regierungen im Schulwesen auf Segregation – trotz Gerichtsurteilen, die das verbieten, und weltweiten Erfahrungen mit den Nachteilen, die segregierte Schulen mit sich bringen.

Wir haben es uns in der Lüge bequem gemacht, die Roma aus dem Kosovo als Wirtschaftsflüchtlinge anzusehen

In Tschechien wurden, wie in allen ehemaligen sozialistischen Ländern, ein großer Teil der Roma-Kinder über Jahrzehnte hinweg in Sonderschulen für geistig Behinderte abgeschoben. Seit Tschechien vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2007 aufgefordert wurde, diese Praxis zu ändern, wurden diese Schulen in „Praktische Schulen“ umbenannt, ohne dass sich an der Situation grundlegend etwas geändert hat. Im Herbst 2014 hat die EU deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Tschechien eingeleitet.

Im Jahre 2011 wurde unter Roma aus der Slowakei und Tschechien, die jetzt in Großbritannien leben, eine nicht repräsentative Umfrage durchgeführt. Sie zeigte, dass von 61 Kindern 17 in ihrem Herkunftsland Sonderschulen besucht hatten – und 35 segregierte Einrichtungen. In Großbritannien dagegen besuchten 20 eine normale Grundschule und 39 eine weiterführende Schule. Es wundert deshalb nicht, dass die meisten Eltern angaben, eine bessere Schulausbildung für ihre Kinder sei ein Hauptgrund für ihren Umzug nach Großbritannien gewesen.

Die extrem hohe Arbeitslosigkeit in Ost- und Südosteuropa trägt zu weiterer Trennung bei; in einigen Regionen liegt die Quote bei über 90 Prozent. In Ungarn werden Arbeitslose zu „öffentlichen Arbeiten“ zwangsverpflichtet, wofür die Gemeinden zuständig sind – einige werden von Bürgermeistern der faschistischen Jobbik-Partei regiert. Die Ausgrenzung der Roma wird durch den öffentlichen Diskurs verstärkt. Hasstiraden gegen Roma sind vielerorts Alltag, bewusst werden rassistische Konnotationen hergestellt. So spricht man in Ungarn – erschreckenderweise in allen politischen Lagern – nicht von Kriminalität unter Roma, sondern von „Zigeunerkriminalität“.

Unser Autor hat das Lesen verlernt. Bücher blicken ihn an, landen auf einem Stapel, verstauben. Dabei hat er als Junge die Sätze nur so gepflückt. Lohnt sich lesen überhaupt noch? Für Sie schon: Die Geschichte einer Entfremdung finden Sie in der taz.am wochenende vom 10./11. Oktober.Außerdem: Gregor Gysi tritt kommende Woche vom Amt des Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag ab. Große Reden werden dort nun andere halten. Und er? Ein Gespräch. Und: Chinas Regierung lockert die Ein-Kind-Politik. Aber an die Vorstellung, künftig in größeren Familien zu leben, müssen sich viele erst gewöhnen. Das alles gibt es am Kiosk, eKiosk oder im praktischen Wochenendabo.
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Für kriminell erklärt

Im Frühjahr 2014 lehnte eine Richterin in Ungarn das Verbot einer rechtsradikalen Gruppierung, die regelmäßig in Roma-Vierteln demonstrierte, mit dem Argument ab, dass es „Zigeunerkriminalität“ gebe und dass „Zigeuner weniger eine ethnische Gruppe“ seien, sondern für „eine Lebensweise“ stünden, „die den traditionellen Werten der Mehrheitsgesellschaft fern steht und deren Lebensstil durch die Vermeidung von Arbeit, keinen Respekt vor Privateigentum und den Normen des Zusammenlebens charakterisiert ist“.

Daher dürfen rechtsradikale Organisationen mit Billigung der Justiz in Roma-Vierteln demonstrieren und deren Bewohner terrorisieren. In der Slowakei wird exzessive Gewalt von Polizisten gegen Roma von den meisten Politikern geduldet und entschuldigt, weil sie meinen, damit bei der Mehrheitsgesellschaft zu punkten. Und in Tschechien hat sich der sozialdemokratische Präsident Milo š Zeman öffentlich für eine getrennte Erziehung von Nicht-Roma und Roma ausgesprochen.

In einer solchen Atmosphäre, die von Politikern nahezu aller Couleur geschürt wird, ist es schwierig, selbst die bestgemeinte Integrationsstrategie umzusetzen. Politik nimmt nicht nur Stimmungen in der Bevölkerung auf, um Politik und Gesetzgebung zu gestalten. Umgekehrt formen die Gesetze und Politiker die Einstellung der Bevölkerung und fördern Ausgrenzung und Diskriminierung. In dieser gefährlichen Spirale sind die Roma und die Gesellschaften in Mittel- und Südosteuropa insgesamt gefangen.

Und gegen diese Entwicklungen können die EU-Rahmenprogramme oder nationale Strategien zur Integration der Roma wenig ausrichten. In Deutschland haben es Politik und Medien gemeinsam geschafft, dass Roma mit „Asylmissbrauch“ gleichgesetzt werden. Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall: Roma werden in der Asyldiskussion von Politikern missbraucht. Denn viele von ihnen hätten sehr wohl Anspruch auf Asyl. Aber das wird ihnen verwehrt – etwa durch die Entscheidung der deutschen Bundesregierung, den Kosovo als „sicheren Herkunftsstaat“ zu deklarieren.

Vom Balkan vertrieben

Dabei wurden gerade im Kosovo 100.000 Roma, Ashkali und Balkan-Ägypter nach dem Krieg vertrieben, ihre Häuser zerstört oder besetzt. Diejenigen, die für die Vertreibung und die dabei begangenen Verbrechen verantwortlich sind, kontrollieren seit der Unabhängigkeit das Land und sind für die Diskriminierung und die Ausgrenzung der Roma verantwortlich – dafür, dass Roma keine Unterkunft und keine Arbeit bekommen und ihre Kinder nicht die Schule besuchen können.

Doch in Deutschland werden diese Verantwortlichen sogar als Zeugen dafür angeführt, dass Roma angeblich gefahrlos in den Kosovo zurückkönnen. Wir haben es uns in der Lüge bequem gemacht, die Roma aus dem Kosovo als Wirtschaftsflüchtlinge anzusehen, denn wenn wir ihre tatsächliche Lage anerkennen würden, könnten wir diese Menschen nicht wieder aus Deutschland ausweisen – dann müssten wir sie aufnehmen. So aber nehmen wir in Kauf, dass seit gut 15 Jahren Zehntausende Roma aus dem Kosovo zwischen Kosovo, Serbien und Westeuropa hin und her geschoben werden, ohne dass sie irgendwo ein Leben in Würde führen können. Die Einstufung als sicherer Herkunftsstaat wird nichts an der Situation ändern – ja sie kann sogar dazu führen, dass der Kosovo noch weniger für seine Roma-Minderheit macht.

Diese Entscheidung zeigt auch, um was es Europa wirklich geht, wenn von der Integration der Roma gesprochen wird: um die Vermeidung der Migration oder Flucht von Roma nach Westeuropa. Auf die Migration der Roma hat die EU keine Antwort. So wichtig Programme wie der „EU-Rahmen zur Integration der Roma“ sind – eine tatsächliche Verbesserung wird nur dann eintreten, wenn ein anderer gesellschaftlicher Diskurs vorherrscht und Politik und Gesellschaft Roma und Sinti nicht mehr als Sündenböcke und „Manipulationsmasse“ benutzen. Das gilt auch für Deutschland.

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@MICHAEL KOCH „…ich bin ein Linker …“
Was bei Ihrer Suade nur den bekannten Satz beweist:
„Das Auge sieht alles –  Außer sich selbst!“
kurz – Ein Selbsternannter.

Ol Cato mit Wolfgang Neuss:
„Es reicht nicht – keine Gedanken zu haben – man muß auch unfähig sein – sie auszusprechen.“
Die Illusion – die Illusion – läßt dich unmögliches verstehn.
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Herr – wirf Hirn vom Himmel.

ps – Sie sind sich aber sicher – Daß Sie Ihre Elaborate in der e-taz –
öh zum Besten geben¿! „Hauptsache“ – H.D.Hüsch;)
——-geschreddert

Tote Hose ala taz – Geht’s noch?!!

http://www.taz.de/Essay-Roma-in-Osteuropa/!5238013/

 

Aktivisten ehren illegale Flüchtlingshilfe Schicker als ein Bundesverdienstkreuz – Yvonne Hissel

EU Commission President Juncker attends a news conference in BrusselsJean-Claude Juncker musste dem Peng Kollektiv leider absagen.
Das Peng-Kollektiv verlieh im Namen der EU-Kommission das erste „Europäische Verdienstkreuz“. Die Auszeichnung soll FluchthelferInnen ehren.

BERLIN taz | Die Europäische Kommission ist an diesem Freitagmorgen für das Peng Kollektiv und seine Preisverleihung wegen Bauarbeiten geschlossen – der Grund: „Es wird an einem besseren Europa gebaut.“

Ein Bild Jean-Claude Junckers, des Präsidenten der Europäischen Kommission, schmückt das Rednerpult der Veranstaltung auf dem Pariser Platz. Stets daran erinnernd, dass die Verleihung des ersten europäischen Verdienstkreuzes auch im Interesse der Europäischen Union und ihrer PolitikerInnen stattfindet, die laut Peng Kollektiv „dringend ein aufpoliertes Image in Sachen Asylpolitik brauchen.“

Das Kollektiv hatte Ende Juli dazu aufgerufen, auf der Rückreise aus den Ferien freie Plätze im eigenen Auto zu nutzen, um Flüchtlingen die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Im Bewusstsein, dass es sich hier um „einen Akt des zivilen Ungehorsams“ handelt, richtete das Kollektiv gleichzeitig einen Rechtsfond ein, um HelferInnen, die strafrechtlich verfolgt werden, zu unterstützen. Nach einer Woche befinden sich durch freiwillige Spenden 14.000 Euro in dem Fond, der auch bereits von einer Helferin in Anspruch genommen wird.

Die Menschen, die an der Aktion „Ich bin Fluchthelfer.in“ teilnehmen, leisten laut Peng „einen nötigen und wichtigen Akt des zivilen Ungehorsam für ein besseres Europa“. Ebenso wie damals, als Menschen, die DDR-Flüchtlingen geholfen hatten, Bundesverdienstkreuze bekamen, soll daher auch an diesem Tag an die eigentlichen Werte der Europäischen Union erinnert werden, indem FlüchtlingshelferInnen mit einem Verdienstkreuz ausgezeichnet werden.

Eine Farce durch Dublin

Insgesamt wurden auf dem Pariser Platz acht Helfer und Helferinnen ausgezeichnet. Eine Frau war sogar von Griechenland angereist, um die Ehrung für ihr Engagement entgegenzunehmen. Ungefähr die Hälfte der Verdienstkreuze wurde anonym an VertreterInnen verliehen, da die jeweiligen Personen immer noch aktiv an der illegalen Fluchthilfe beteiligt sind und ihre Arbeit nicht in Gefahr bringen wollen.

Das Peng Kollektiv reagiert mit seiner Aktion auf eine europäische Asylpolitik, die laut Aussage der Aktivisten „eine Farce“ ist. Besonders die Dublin-Regelung, die besagt, dass bei der Einreise über sichere Drittstaaten kein Asyl gewährt werden muss, führt dazu, dass eine legale Einreise nach Deutschland für Flüchtlinge und Asylsuchende fast unmöglich ist.

Für das Peng Kollektiv ist dies der Anlass, selbst aktiv zu werden. Trotz der möglichen strafrechtlichen Konsequenzen der Aktion wollen die AktivistInnen so lange weiter Hilfe zur illegalen Einreise bieten, „bis Europa seine Grenzen öffnet und der Aufruf zum zivilen Ungehorsam damit überflüssig wird.“

 

Chapeau – Peng Kollectiv

Alle Wege führen nach Brüssel –
Reloading a very old christian story –
In a very human being way –
Wunderbar – You made my day.
Thanks for that.

(ps an – Ehrengast FrozenThomas d‘ Hugo’not!
„Sollen wir das Geschäft der Schlepper betreiben!“
Die Antwort kennt die See! – Ja!
Wenn du wirklich etwas gemacht haben willst!
Mach es selbst! –
Peng Kollectiv
Danke.

http://www.taz.de/Aktivisten-ehren-illegale-Fluechtlingshilfe/!5221496/

Alternative Wirtschaft in Griechenland Kreativ durch die Krise – Robert Misik

MISIKGREECEimago59292425hSeit der Krise wurden Tausende kleine Firmen gegründet. Viele aus der Not heraus, weil die sozialen Netze zusammengebrochen sind.

ATHEN taz | Im Straßengewirr von Exarchia, dem hippen Anarchobezirk von Athen, steht die Hitze, und Maria Calafatis sitzt auf einem Klappsessel vor dem „Cube“ und trinkt einen Cafe Freddo. Calafatis und ihr Partner Stavros Messinis sind zwei Unternehmer der hiesigen Start-up-Szene. Der „Cube“ ist ein Gemeinschaftsbüro, in dem auf sechs Etagen zwei Dutzend Unternehmen untergebracht sind. Die meisten sind im Tech-Bereich tätig, einige in der Tourismusbranche.

Vor sieben Jahren haben sie ihr erstes Büro eröffnet, das schnell aus allen Nähten platze, sodass sie nun das ganze Bürohaus in der Klisovis-Straße nutzen. Im obersten Stockwerk residiert die Venture-Capital-Firma „Openfund“ des Ökonomen Aristos Doxiadis, der Investorenkapital aus der ganzen Welt in die Start-up-Szene lenkt. Auch Anwälte und Notare sind Teil des Netzwerks, die Unternehmen den Weg durch den Bürokratiedschungel bahnen.

„Die Krise ist nicht nur schlecht“, sagt Maria Calafatis. „Sie hilft, Leute aus der Komfortzone zu bringen.“ Die Mentalität ändert sich und auch die Staatsgläubigkeit. Man merkt, dass Maria diese Geschichte schon oft erzählt hat. Sie spult sie nicht routiniert ab, aber mit dieser profimäßigen Engagiertheit, die Leute mit einer Mission und einem langen Atem haben, die gewohnt sind, Investoren zu überzeugen und bei Bürokraten die Türe öffnen müssen.

Im Erdgeschoss basteln ein paar IT-Jungs aus Spanien an Bitcoin-Bankomaten. Die virtuelle Währung hat gerade recht viel geholfen, weil sie von den Kapitalkontrollen nicht erfasst, aber in Euro transferierbar ist – damit konnten Überweisungen getätigt werden, die ansonsten nicht möglich gewesen wären. Mit viel Begeisterung erzählt Maria Calafatis etwa die Geschichte von „Taxibeat“, dem kleinen Start-up, das hier vier Freunde begonnen hatten und das so ähnlich wie Uber funktioniert, aber beinahe jede Art von persönlicher Dienstleistung anbietet, die mit Transport zu tun hat. Als die Firma über 30 Beschäftigte hatte, zog sie aus – mittlerweile expandierte der Laden nach Brasilien, Frankreich, Norwegen und Rumänien.

Exporte der Softwareindustrie

Heute verdienen die Griechen mit Exporten der Softwareindustrie schon sehr viel mehr Geld als mit dem Verkauf von Olivenöl. „Obwohl das ökonomische Umfeld so negativ ist, wurden während der Krise Tausende Firmen gegründet“, schreibt der Autor Nick Malkoutzis in einer Studie. Tatsächlich ist das auch eine Art, in einer Lage ohne funktionierende soziale Netze mit der Arbeitslosigkeit umzugehen. Heute sind rund 32 Prozent Griechen, die irgendwie in der Erwerbswirtschaft partizipieren, Selbstständige. Viele davon Freiberufler oder Kleinunternehmer.

Aber gerade in der Krise sind das Kleinunternehmertum und die gemeinwirtschaftliche und die Share-Ökonomie kaum voneinander zu unterscheiden. Es ist eine Art Miteinander-Ökonomie, die neue „Greeconomy“. Das lässt sich sogar schon an Meinungsumfragen ablesen. So hat sich die Zahl derer, die sich unentgeltlich engagieren würden, um 44 Prozent erhöht. Viele Initiativen sind in einer Grauzone zwischen Unternehmertum und Solidaritätsaktionen angesiedelt.

Der Kleinunternehmer Giorgis Goniadis erzählt vom der Verbraucherinitiative „Bio-Scoop“, einem genossenschaftlichen Laden in Thessaloniki, dessen Betreiberkollektiv nur mit Bauern und Zulieferern aus der Umgebung zusammenarbeitet. Das schafft Jobs in den Verkaufsläden und indirekt Jobs in der Landwirtschaft, fördert die Umstellung auf ökologische Produkte und sorgt zudem dafür, dass die schwindende Kaufkraft der Griechen nicht auch noch an Multis wie Nestlé fließt. „Kooperativen wie Bio-Scoop können der Krise besser trotzen als normale Firmen“, heißt es in einer Art Consultingstudie der Universität Thessaloniki.

Athen, der große Park um die Archäologische Gesellschaft, die in einem wunderschönen klassizistischen Gebäude im Westen der Stadt residiert. Üppige Oleanderhecken mit bunten Blüten umgeben den Garten. Hier haben sich schon im Mai Engagierte aus vielen Bereichen zum „Commons Festival 2015“ getroffen. Selbstverwaltete Fabriken haben ihre Projekte ebenso vorgestellt, wie Aktivisten aus dem Landesinneren, die ganze Dörfer mit freiem WLAN vernetzen, oder die Beschäftigten des Staatsfernsehens ERT, die, nachdem die vorige Regierung den Sender abschaltete, einfach in Eigenregie weiterarbeiteten.

Die „normalen“ Start-ups und die Netzwerke solidarischer Ökonomie folgen nicht zwei unterschiedlichen Logiken, weshalb der linke britische Wirtschaftsjournalist Paul Mason in seinem gleichnamigen Buch schon einen „Postcapitalism“ anbrechen sieht. „Ich glaube, diese ökonomischen Formen bieten eine Rettungsgasse – aber nur wenn diese Projekte der Mikroebene gehätschelt werden, wenn sie beworben und geschützt werden, und das muss vor allem durch die Regierungen geschehen.“

Die Entstehung der Solar-Blase

Ioannis Margaris sieht das ähnlich. Der Techniker ist heute stellvertretender Vorstandsvorsitzender des öffentlichen Energieversorgers „Hellenic Electricity Distribution Network Operator“ und hier vor allem für Innovation und den Umstieg auf erneuerbare Energien zuständig. Das griechische Elektrizitätssystem hat eine Reihe von Herausforderungen, aber eben auch von großen Chancen. Zu den Herausforderungen zählen: Griechenland besteht aus vielen kleinen isolierten Inseln; viele Griechen können aufgrund der Armut ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen, dennoch versucht die Regierung, ihnen eine Basisversorgung zu garantieren.

In den letzten Jahren bildete sich eine regelrechte „Solar-Blase“, was wiederum den Nachteil hatte, dass ganze Landstriche der Landwirtschaft entzogen wurden. Margaris setzt deshalb auf eine smarte, dezentrale Elektrizitätswirtschaft der Zukunft, mit vielen kleinen autonomen Produzenten und Kleincomputern in jedem Haus, die Produktion und Verbrauch optimieren.

„Die Zukunft liegt in Produktionsclustern“, sagt er, „Griechenland könnte dann auch zu einem Exporteur von Wissen, Expertise und von guten, funktionierenden Beispielen werden.“ Zwar fehlen der Regierung natürlich Mittel für große Investitionen, aber, so Margaris, „wenn man gute Projekte hat, dann fließt auch Geld“ – gerade im Kontext der europäischen Energiewirtschaft, in der viele Firmen und Elektrizitätsgesellschaften neue Technologien und Organisationsformen erproben wollen. „Aber das wird nicht als Top-down-Prozess funktionieren, dafür braucht man das Vertrauen der Bürger und der Konsumenten. Dann wachsen auch kreative Ideen von unten.“

Die 30 Verrückten

Viele hundert zivilgesellschaftliche Netzwerke, die von Nahrungkooperativen über selbstverwaltete Solidaritätskliniken bis zu lokalen Tauschringen mit Parallelwährungen reichen, hat die griechisch-österreichische Politikwissenschaftlerin Konstantina Zöhrer kartografiert. Solidaritätskliniken wie die in Thessaloniki. Die ist in einem alten Gewerkschaftshaus untergebracht, dort, wo die Innenstadt in die Armenbezirke übergeht. 30 Prozent der Griechen sind ohne Krankenversicherung, das sind drei Millionen, die nicht einmal im Notfall zum Arzt gehen können.

„Wir waren 30 Verrückte, die die Idee hatten, eine Klinik für diese Leute zu gründen“, sagt Katerina Notopoulou, die hier mit anderen Freiwilligen dafür sorgt, dass die Abläufe passen, dass genügend Medikamente aufgetrieben werden können, dass Spenden aus dem In- und Ausland hereinkommen. Jetzt arbeiten 300 Freiwillige für die Klinik, und noch einmal 300 weitere Ärzte haben ihre Praxen für jene geöffnet, die ihnen die Solidaritätsklinik vorbeischickt. „Zahnärzte, Frauenärzte, Allgemeinmediziner, wir haben hier alles.“ Rund 40 solche medizinischen Selbsthilfeprojekte gibt es mittlerweile im ganzen Land.

Ein ganz anderes Beispiel ist die Firma Viome, weit draußen im Industriegürtel von Thessaloniki. Dimitis lugt durch das provisorische Guckloch eines notdürftig zusammengeschraubten Aluminiumtores und lacht. „Kommt rein“, sagt er. Viome war eine Baumaterialfirma, die von ihren Eigentümern geschlossen werden sollte. Die Arbeiter sind dann in den Streik getreten, haben ihre Fabrik besetzt und nach einiger Zeit beschlossen, sie in Eigenregie weiterzubetreiben.

Aber die Baustoffproduktion – also Zement, Estrich und so weiter – war gegenüber den ausländischen Konkurrenzprodukten nicht mehr wettbewerbsfähig; und außerdem ist der Markt für Baumaterialien zusammengebrochen, da in der Krise kaum jemand mehr ein Haus baut. Also sind linke Wissenschaftler beigesprungen und erstellten eine Marktanalyse. „Sie sagten uns, wir sollten am besten hochwertige Naturprodukte herstellen“, erzählt Dimitis. Heute produzieren die Viome-Arbeiter ökologische Reinigungsmittel und Seifen. Ökologisch korrekt und auch noch von kämpferischen Arbeitern im selbstverwalteten Betrieb hergestellt.

„Natürlich kann man nicht sagen, dass das ein positives Resultat der Krise ist“, meint Elektrizitätsmanager Margaris. Dazu habe die Krise zu viel zerstörerische Folgen. „Aber es gibt viele Beispiele von kreativen Ideen von unten.“
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Danke. Robert Misik – Wer sonst!

Allen Masseltov &  Langen Atem –
Gut durchgelüftet sind  Hirne&Herzen ja ganz offensichtlich.

Alekos Panagoulis Geist ist lebendig – fein.
(&ps -> möge ala long  „Das Geschäftsjahr 1968/69 -“ 2.0
erspart bleiben. (Bernd Cailloux – Roman (edition suhrkamp:))

http://www.taz.de/!5216485/#bb_message_3282106

Die Wahrheit Hägar Rowohlt – Gerhard Henschel

RowohltTrauerfeier

Ein Poem anlässlich der Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen Dichter und Kolumnisten, Übersetzer und Schauspieler.

Ein Mann verlässt in Hamburg die Bodega

Am Hauptbahnhof. Der Mann hat viel erlebt.

Er schwankt nicht, und er zögert nicht. Er strebt

Im Seemannsgang zum nächsten Schiffsanleger.

 

Die Hafenpolizei hält ihn für Hägar

Den Schrecklichen und hetzt ihn, doch er klebt

Den Häschern einfach eine und entschwebt.

Der Mann ist nämlich durch und durch integer.

 

Er kapert eine syrische Galeere,

Zerfleischt den Kapitän, befreit die Crew –

Und nun besegelt er die Sieben Meere

 

Als Buccaneer und rettet so die Ehre

Der Hapag-Lloyd. Das gibt sie selber zu.

Doch wehe, einer kommt ihm in die Quere …

—— Jau

Chapeau –

(für ne Landratte -;) – kurz –
Kann frauman nehmen.
„Die ganze Welt ist eine Bühne,
und alle Fraun und Männer
bloße Spieler.“
W.S. via K.V. (Ü.H.R.)

Ahoj&Skøl –
Wenn liggers de Sün
ander de
Nock*
steit!
(*Mastdown -> Hägär
by D.B.)

http://www.taz.de/!5216385/

Hermeto Pascoal über Musik „Spiele so, wie du dich fühlst“ – Intv. Franziska Buhre/Stefanie Alisch

Hermeto_KevinYatarola.jpegDer brasilianische Künstler Hermeto Pascoal über Zwänge notierter Musik, Stimmen in der Wildnis und seinen Obststand in Rio.

taz: Hermeto Pascoal, Sie machen seit fast 70 Jahren Musik. Wann genau haben Sie angefangen, Ihre Stücke aufzuschreiben?

Hermeto Pascoal: Musiktheorie habe ich erst mit 40 gelernt. Die Zeit davor habe ich meinen Geist weiterentwickelt. Ich folge vollkommen meiner Intuition. Die Theorie hat meiner Art Musik zu machen nur wenig hinzugefügt. Meine Songs öffnen die Köpfe der Menschen, damit sie unkonventionelle Sachen machen.

Also ist es so, dass außer dem, was auf dem Notenblatt steht im Moment des Spielens noch mehr dazukommt?

Wer eine Melodie komponiert, diese arrangiert, legt damit fest, wie sie von Musikern interpretiert werden soll. Ich mache es genau umgekehrt und sage den Musikern: Spiele, wie du dich fühlst, atme, wie du willst, und dann kommt die Note von alleine raus. Ich gestehe den Musikern wirklich künstlerische Freiheit zu.

Meinen Sie, Menschen nehmen notierte Musik ernster als Stücke, die nicht aufgeschrieben sind?

Viele Musiker spielen nur um der Theorie willen, nicht weil sie talentiert sind. Mit der Theorie kann jeder Mensch jedes Instrument lernen. Aber sie ist nur eine Schrift, ein Alphabet. Die 40 Jahre ohne Notenschrift waren sehr lehrreich für mich. Denn ich hatte schon eine Idee von der Theorie. Mit dem Alphabet schreibe ich einen Brief an einen Freund. Ich entferne mich nicht vom Verständnis der Standardnotenschrift, aber in den Arrangements ergänze ich viel mehr Akkorde und rhythmische Kreativität. Das macht sie technisch zwar anspruchsvoller, aber die Musik wird auch reicher.

Mit welchen Musikern sind Sie aufgewachsen?

Ich bin im Alter von 14 aus meiner Heimat weggegangen und bis dahin gab es weder Strom noch Radio. Wir haben nur den Vögeln am Himmel und den Fischen im Meer zugehört. Ich habe wie ein weißer Indianer gelebt. Das alles zu wissen und zu schätzen, war sehr wichtig für mich, das hat sich meiner Art zu denken eingebrannt. Als Jugendlicher hörte ich dann viel Baiào und Forró.

Sie stammen aus dem Nordosten Brasiliens, einer Region, die reich an Musiktraditionen ist.

Ja, weil die Leute dort von überall her eingewandert sind. In Pernambuco triffst du etwa auf Menschen mit deutschen, holländischen oder arabischen Wurzeln.

Waren Maracatu und Coco wichtige musikalische Einflüsse für Sie?

Ja, das sind bis heute prägende Einflüsse. Wenn wir als Gruppe spielen, spielen wir Maracatu. Wir spielen hier alles. Nur nicht diesen Müll, diesen Funk, diesen Rock, diese, diese …

… populäre Axé Music, die in den achtziger Jahren in Salvador da Bahia entstand?

Oh ja, genau, die …

Oder auch Forró Eletrico?

(flucht vor sich hin)

Zurück zu Ihrer musikalischen Sozialisation – wie trat dann der Jazz in Ihr Leben?

Mit 17 habe ich in Recife im Radio Sanfona (ein Akkordeon, vor allem im Forró und Baiào) gespielt. Ein befreundeter Gitarrist hat mich gesehen und eingeladen, mit ihm eine Nacht in einem Club zu spielen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nur mit der rechten Hand spiele. Er hat mich ans Klavier gesetzt, obwohl ich das vorher nie gemacht hatte. So habe ich angefangen und weitergemacht. In den Clubs habe ich aber auch sehr viel deutsche Musik für Einwanderer gespielt.

Was genau für Musik?

(Pascoal singt vor)

Sind das Marchinhas, die kleinen Märsche der Karnevalsmusik?

Ja, deutsche Marchinhas. Ich war 18 und die Alten haben mich ausgeschimpft, weil ich sie so modern interpretiert habe.

Die Deutsch-Brasilianer haben ihre Marchinhas also nicht wiedererkannt?

So war es.

Und Jazz ergab sich also praktisch bei Konzerten?

Wenn ich außerhalb Brasiliens Maracatu spielte, stuften Zuschauer meine Musik stets als Jazz ein. Besonders in den Vereinigten Staaten, wo ich oft zu Gast war. Jazz ist die zweite oder dritte Art von Musik, die ich spiele. Ich mache ja Universalmusik, also spiele ich auch alles. An meinem Lieblingsobststand sind nicht nur Bananen, sondern auch Äpfel, Trauben, gerösteter Mais und geröstetes Maniokmehl im Angebot. So ist auch die Musik in meiner Konzeptualisierung. In Brasilien leben Einwanderer aus aller Welt, davon lässt sich Musik keinesfalls trennen. Brasilianische Musik ist universal. Das nehmen Menschen von anderswo auch sofort wahr, wenn sie brasilianische Musik hören.

Sie meinen, die Amerikaner haben Ihre Musik als Jazz kategorisiert, aber in Wahrheit war es Ihr eigener Stil?

Richtig. Als ich 1970 zum ersten Mal in den USA war, stand in der Zeitung: „Wie kann es sein, dass dieser Typ aus dem unterentwickelten Brasilien Musik macht, wie wir sie nicht hinbekommen?“ Meine Antwort: Das kommt daher, weil unsere Musik zeitlos ist, sie funktioniert auf der ganzen Welt.

Heute Abend gastieren Sie in Berlin mit dem Andromeda Mega Express Orchestra, wie kam es zu dieser Kollaboration?

Daniel Glatzel, der Leiter des AMEO, kannte meine Musik. Er wollte einige meiner Stücke für sein Orchester arrangieren und bat mich, ihm die Noten zu schicken. Zum ersten Mal verlasse ich Brasilien, um meine Musik in Arrangements eines anderen Musikers zu spielen. Vorher hatte ich immer eigene Arrangements dabei.

Wie sieht die Zusammenarbeit genau aus?

Wenn ich mit einem sinfonischen Orchester arbeite, nehme ich meinen Sohn Fábio mit, damit er einen Touch anderer Perkussion einbringt. Bei einigen Arrangements werde ich auch allein mit dem Orchester improvisieren.

Welche Instrumente setzen Sie ein?

Perkussionsinstrumente wie das Pandeiro (eine Rahmentrommel), die Viola Caipira – eine Gitarre mit fünf Doppelsaiten –, meine große Flöte, meine Bassflöte, und Alltagsgegenstände, zum Beispiel einen Wasserkessel. Fábio spielt mehrere Instrumente, auch kleine Puppen aus Gummi, die Tiergeräusche machen. Damit erzeugen wir einen ganzen Urwald. Das wird ein großes Ereignis.

Der amtierende brasilianische Kulturminister Juca Ferreira will das Urheberrecht novellieren. Clubs und Radiosender sollen etwa für die gespielte Musik Beiträge zahlen. Was halten Sie davon?

Die klauen immer mehr.

Wer klaut? Die Radios?

Die Radiosender nicht, aber die Manager von Plattenfirmen. Kann ja sein, dass sie im Kulturministerium etwas daran ändern wollen, aber um da reinzukommen, musst du klauen. Mein Musikerkollege Gilberto Gil wollte in seiner Amtszeit als Kulturminister – 2002 bis 2008 – ebenfalls Gesetze ändern, aber die Medienbarone verhinderten das. Wer nicht klaut, muss wieder raus. Deswegen bin ich inzwischen auch Mitglied der französischen Verwertungsgesellschaft Sacem. Die zahlt mir Tantiemen, die mir Zuhause unterschlagen wurden.
——-

Klar – Alter –

Wo ist die eins? –
Wer? – Was? Keine Ahnung –  Sitzt wahrscheinlich
unterm Tisch!

Fein!
(Allen selbsternannten – öh Lehrern –
(Kategorie – .“I – get the Rhumba“!¡;)
Ins Stammbuch – SO GEHTS!)
——-
Ok – da capo – 2.0 – Klar – Alter –

Wo ist die eins?
Wer? – Was? Keine Ahnung –
Sitzt wahrscheinlich unterm Tisch!

Fein!
(Allen selbsternannten – öh Lehrern –
(Kategorie – .“I – get the Rhumba“!¡;)
Ins Stammbuch – SO GEHTS!)
kurz – shut up & play!
——-

Na modzis – DER – steinälteste Witz über brasilianische Musik – nich auffe Kommunalen Musikschule gehört – wa!
&so truntztumbe – I – get the rhumba stoplern garantiert nach 1x Kuba& leider retour auch in Balin an Offenen Jäzz oder so rum – jede Wette!

so denn – 3.0
Ok – da capo – 2.0Klar – Alter – Wo ist die eins?
. . . .s.o.
——–
@TRAUMATÄNZER

“ Musiktheorie habe ich erst mit 40 gelernt. Die Zeit davor habe ich meinen Geist weiterentwickelt…“

Besonders den zweiten Satz werde ich mir notieren. 😉
——–

@TRAUMATÄNZER In aller Bescheidenheit –

letzteres kann doch querab als – nunja – gesichert gelten;
doch – doch!¡)

aber – der –
„…Die Theorie hat meiner Art Musik zu machen nur wenig hinzugefügt.…“ – is die feine conclusio!

& der große Unterschied zum  europäisch zentristischen Musikraum.
Das – hat Hermeto Pascoal (con clave;) – schmunzelnd zum Ausdruck gebracht.
———–

& weil wir grad dabei sind –

„…„Spiele so, wie du dich fühlst“…“
Eben diesen Satz – nehm ich ihm – ab;
ohne Wenn&Aber.

Den aber hatte auch mal einer – Notiert!
– Klopfte dann aber das – öh Ergebnis – ab ! – …& kriegte –
„So fühl ich mich aber!“ – als Echo!

Na – das – fand der Herr – der das Twin-Tower-Inferno als Gesamtkunstwerk zu …öh stilisieren zu sollen glaubte –
aber gar nicht witzig!
(The european way of music.)

 

http://www.taz.de/Hermeto-Pascoal-ueber-Musik/!5213503/

Konzentrationslager im Kolonialismus Täler der Verzweiflung – Jonas Kreienbaum

Südafri. 2.Burenkrieg 1899-1902: Konzentrationslager der BritenBlick in ein für gefangene Buren von den Engländern errichtetes Konzentrationslager 1901/02.


Gibt es eine klare Linie der Kontinuität von Windhuk über Pretoria bis Auschwitz? Nein, sagt der Historiker Jonas Kreienbaum.

 

Danke für diesen sehr erhellenden Artikel.

Die – ich sag mal – Lord-Kitchner-Kontinuitäts-Story ist mir via
Familien- wie Schul/Lehrerkolportage sehr geläufig.
Ihre Klar- wie Richtigstellung leuchtet mir historisch ein.
Gefangene Buren, Konzentrationslager 1899-1902Panorama eines britischen Konzentrationslagers für Buren.

Ersparen kann ich Ihnen dennoch nicht –
Was ist mit von Lettow-Vorbeck? Sie lassen ihn neben von Trotha –
kaum glaublich – unerwähnt.
Der Mann mit dem Kokarden-Hut zu Pferde – Kapp-Putsch-Mann &&& –
Fast ein – sorry – Popstar seiner Zeit.

Nicht nur vor Ort ein ganz schlimmer Finger –
„. . .. In der Kolonie Deutsch-Südwestafrika nahm er zwischen 1904 und 1906 als Erster Adjutant im Stab des Kommandeurs der Schutztruppe Lothar von Trotha und als Kompaniechef an der Niederschlagung des Aufstands der Herero teil.[1] Dabei war er unter anderem in die taktische Planung der Schlacht am Waterberg involviert. Während er Trothas Gesamtstrategie, die auf Einkesselung und Vernichtung des Gegners setzte, für richtig hielt, stand er dem konkreten Operationsplan Trothas kritisch gegenüber. Sein eigener Entwurf kam indes nicht zur Durchführung.[2] Die genozidale Kriegsführung Trothas verteidigte er nachdrücklich.[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Lettow-Vorbeck & passim

Sondern durchgängig ein Propagandist der Überlegenheitsideologie
im Deutschen Reich bis ins Nazi-Deutschland – & nicht nur das – oh nein:
“ .. .In Hamburg begannen am 23. Juni 1919 Aufstände wegen verdorbener Lebensmittel (die sogenannten Sülzeunruhen). Vier Tage nach Ende der Unruhen marschierte Lettow-Vorbeck mit dem „Korps Lettow“ (Stärke ca. 10.000 Soldaten) am 1. Juli 1919 in Hamburg ein, obwohl sich die Lage bereits wieder deutlich beruhigt hatte. Der Einsatz der Reichswehr unter Lettow-Vorbeck konnte zwar letztendlich die Ausschreitungen beenden und die sich bekämpfenden Hamburger Bürger entwaffnen, durch das rigorose Vorgehen des Korps stieg die Zahl der Toten allerdings auch von 15 auf 80.[6]
. . .“
„. . .Lettow-Vorbeck, der wohl seit 1919 in die Pläne eines Putsches zur Beseitigung der Regierung eingeweiht war, folgte im März 1920 den Befehlen des ihm vorgesetzten militärischen Anführers des Kapp-Putsches Walther von Lüttwitz und übernahm die vollziehende Gewalt in den zu seinem Befehlsbereich gehörenden Freistaaten Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz.[8] Die nicht kooperationswillige Regierung von Mecklenburg-Schwerin setzte er ab und nahm ihre Mitglieder in Schutzhaft, zudem verhängte er den Belagerungszustand und setzte Standgerichte ein. Aus Berlin forderte er das Freikorps Roßbach zur Unterstützung an. Nach der Rückkehr der Reichsregierung versuchte er seine Handlungen zu entschuldigen und sich dieser wieder anzudienen. . “
.. .
“ .. .Entgegen seiner nach dem Krieg behaupteten Gegnerschaft distanzierte sich Lettow-Vorbeck aber auch nicht vom Nationalsozialismus, sondern warb etwa unter seinen „Ostafrikanern“ für das neue Regime.[12] Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb er eine zentrale Gestalt der kolonialen Soldatengemeinschaft und trat auf Kundgebungen und Gedenkverstaltungen auf, darunter auf dem „Kolonialgedenktag des Deutschen Volkes“ 1936 in Breslau und beim „Ostafrikanertreffen“ 1938 in Hamburg. Seine Person und seine Kriegführung in Deutsch-Ostafrika wurden als Paradebeispiel deutschen Soldatentums inszeniert. Zu seinem 50jährigen „Dienstjubiläum“ 1938 wurde er zu einem „genialen Soldaten“ stilisiert und am 27. August 1939, dem sogenannten Tannenbergtag, von Hitler mit dem Charakter eines Generals der Infanterie geehrt.[13]
. ..“

„. . . Laut seinem Biografen, dem Historiker Uwe Schulte-Varendorff, war die von Lettow-Vorbeck vertretene Legende von den „treuen“ Askari „nichts als reine Kolonialpropaganda, die einzig und allein dem Zweck diente, die Forderung nach Rückgabe der Kolonien zu legitimieren.“ Lettow-Vorbeck habe seine Askari schlecht behandelt, und Afrikaner seien für ihn nur „primitive Schwarze“ mit geringerer Intelligenz und geringerem Kulturstand gewesen. Er habe insgesamt die rassistische Einstellung der Überlegenheit der weißen gegenüber allen anderen Rassen vertreten, sei antisemitisch und national-völkisch eingestellt gewesen und habe Rassenpflege und Rassenhygiene vertreten.[16]. . .“

Dennoch wurden nach WK II Kasernen – auch Straßen nach ihm benannt.
In Wuppertal z.B. – lediglich eine – milde Info-Tafel aufgestellt.

kurz – Geht frauman mal von der nicht von der Hand zu weisenden These Jutta Ditfuhrts aus – in: Der Baron, die Juden und die Nazis –
Daß Nazideutschland ohne den willfährigen Adel nicht funktioniert hätte;

Ja dann – kann diese obige, keineswegs vereinzelt gebliebene
Kontinuität nicht außer Betracht bleiben;
Die Untermenschenideologie – wie sie selbst noch u.a. in den späten Briefen Graf Staufenbergs klar formuliert ist –
War eingeübte Grundlage für die Greuel im WK II – im gesamten Kriegsgebiet – flächendeckend –
Mit dem Gipfel der Konzentrations- und Vernichtungslager.
——
@ GEORG SCHMIDT (-> willfährig 200 Jahre eingeübter Beamtenstaat als Helfer)
Nun – Wir können halt nicht alle – Oskar Lafontaine heißen! Genau – Schauze! – O’l Schmoky!¡
—–
Oskar&Helmut – ja wie? DAs – dreamteam nich aufem Schirm; aber Geschichte LK – wa!! – 2.0

Nun – Wir können halt nicht alle – Oskar Lafontaine heißen! Genau – Schauze! – O’l Schmoky!¡

http://www.taz.de/!5212447/#bb_message_3277634

http://www.taz.de/Konzentrationslager-im-Kolonialismus/!5212447/

Raoul Schrott über Sehnsuchtsorte „Schon Odysseus wollte nach Europa“ – Intv. Joachim Scholl

Greece MigrantsAbendland und Morgenland sind kein Gegensatz. Im Gegenteil: Sie vervollständigen einander, sagt der Literaturwissenschaftler Raoul Schrott.

taz: Herr Schrott, war Odysseus der erste Bootsflüchtling?

Raoul Schrott: Nein. Er konnte ja nach langen Jahren im Krieg in seine Heimat zurückkehren. Aber auch er wollte wie die Flüchtlinge heute aus dem Krieg nach Europa, nur um zu überleben. Beide sind sie auf ihre Weise Kriegsflüchtlinge.

Sie sind Experte für die antike mediterrane Welt. Welche Rolle spielte das Mittelmeer für die Menschen damals?

Das Mittelmeer mit seinen Anliegerländern ist ein Raum, um den Menschen wie Ideen seit jeher gewandert sind – wobei bei es uns nur Endstation dieser ewigen Migration ist. Wir selbst sind aber nichts anderes als ein Produkt permanenter Migrationen. Genetisch gesehen gehören wir dem Homo sapiens an, der vor 60.000 Jahren aus Äthiopien hier einwanderte.

Dort traf er auf die Neandertaler, die ehedem vor 1,3 Millionen Jahren aus Georgien eingewandert waren. Ihnen verdanken wir, dass wir unsere Kraushaare verloren haben und ein Gen für weiße Haut besitzen – sonst wären wir schwarz. Vor 9.000 Jahren kamen dann Farmer aus Nordsyrien und aus Anatolien zu uns in den Norden, brachten Säcke voll Weizen und Gerste mit und lehrten uns den Ackerbau.

Weitere 4.000 Jahre später migrierten aus der kasachischen Steppe Leute, die Pferde reiten konnten und über Wagen verfügten breit in Europa ein. Die Europäer sind ein buntes Völkergemisch. Die Idee, dass es etwas autochthon Europäisches gäbe, ist nicht nur falsch, sondern schlichtweg absurd.
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AUDIO RAUL SCHROTT
Das Interview von Raoul Schrott gibt es hier zum Nachhören.
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Was bedeutet das kulturell?

Dass beispielsweise Europa vom Ende der letzten Eiszeit bis in die Antike alles aus Syrien und dem Irak übernommen hat: Getreide, domestizierte Rinder, Schafe, Ziegen, die ersten Großstädte, die erste Demokratie und auch die Schrift – samt dem damit verbundenen Wissen.

Wie muss man sich das vorstellen?
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IM INTERVIEW:
RAOUL SCHROTT

ist Literatur- und Sprachwissenschaftler. Mit der Neuübersetzung der „Ilias“ von Homer machte er Furore. Im Herbst erscheint bei Hanser sein neues Buch: „Die Kunst an nichts zu glauben“. Schrott lebt in Voralberg, Österreich.
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Unser Alphabet wurde ursprünglich von semitischen Zwangsarbeitern auf der Sinaihalbinsel aus ägyptischen Hieroglyphen adaptiert. In Nordsyrien wurden die Zeichen mit Vokalen angereichert. Die Phönizier verbreiteten diese Schrift. Sie wurde dann von den Griechen übernommen, welche sie als phönizische Schrift bezeichneten. Die ersten Spuren von ihr finden sich auf Ischia. Von dort wandert die Schrift weiter zu den Etruskern in der Toskana und gelangte zu den Römern – und dann erst zu uns. Oder nehmen wir das Mittelalter: Da haben wir alles von der arabischen Hochkultur übernommen. Selbst die griechischen Götter sind so aus dem Nahen Osten übernommen worden.

Auch Apollo, Athene und Zeus?

Apollo war ursprünglich ein anatolischer Gott, der Apalunias hieß, Vater der Löwen. Athene war Anat, die Schwester des semitischen Kriegsgottes Baal. Zeus war der Gott Sius, ein Sonnengott, der schon in mykenischer Zeit aus Anatolien übernommen worden ist. All das, was uns schon der allererste europäische Text erzählt – Hesiods Theogonie –, sind aus Nordsyrien nach Griechenland transportierte Geschichten von der Schöpfung der Welt bis zur Entstehung der Götter.

Zwischen Abendland und Morgenland nur einen Gegensatz zu sehen ist also zu schlicht?
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Rettung von Flüchtlingen

MITTELMEER – SEHNSUCHTSORT UND FLÜCHTLINGSFALLE
taz und Deutschlandradio Kultur widmen dem Mittelmeer, Sehnsuchtsort und Massengrab zugleich einen gemeinsamen Thementag. Der Sender befasst sich 24 Stunden lang mit dem Mittelmeer zwischen Urlaubsidylle und Flüchtlingstragödie. In Gesprächen, Reportagen, Features und mit Radiokunst geht es um den Sehnsuchtsort der Europäer, der gleichzeitig zum Massengrab für MigrantInnen geworden ist. Die taz mit vier Sonderseiten zum selben Thema. DerThemenschwerpunkt Mittelmeer – am Montag, 13. Juli 2015 in der tazund auf Deutschlandradio Kultur(Frequenz ist standortabhängig) und im Digitalradio.

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http://deutschlandradio-lab.pageflow.io/das-mittelmeer-sehnsuchtsort-und-fluchtlingsfalle
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Ja. Sie vervollständigen einander. Sehen Sie – Ideen sind ein wenig wie Viren. Sie infizieren uns und verändern dadurch sowohl sich wie den Wirt. Die Musen etwa waren ursprünglich gesetzgebende Göttinnen im nordsyrischen Raum, die dann bei uns zu den Schutzpatroninnen der Künstler wurden – in einem nachverfolgbaren Adaptationsprozess. Die Griechen waren damals – ähnlich wie heute – eine völlig arme Nation ohne Staatsstruktur und ohne Bodenschätze. Sie übernahmen von den Hochkulturen, was sie konnten – und entwickelten so erst das griechische Kulturwunder. Nach 400 Jahren Übernahmezeit allerdings.

Und die Römer haben wiederum alles von den Griechen – und wir wiederum bis zu unseren Gesetzen alles von den Römern übernommen. Dabei waren diese ersten antiken Griechen nichts als Migranten, die als Schiffstransporteure, Wanderarbeiter und Söldner arbeiteten. Durch ihre kulturellen Übernahmen entstand jenes klassische Griechenland, das wir vor Augen haben – und das wir für die Grundlage Europas halten. Aber das ist zu kurzsichtig: Europa ist die Idee des Kultur- und Handelstransfers rund um das Mittelmeer.

Was halten Sie von der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer?

Es ist wie in einem Zug, wo es keine Reservierungen geben kann, weil der Zug für alle da ist. Die Leute, die bereits Platz gefunden haben, möchten immer auch rechts und links von sich alles besetzen. Da muss man halt erst insistieren, dass der Sitz frei gemacht wird. Gerne tut das keiner. Noch ungerner aber bittet und bettelt man darum. Aber es gibt keine Reservierung auf ein Stück Erde. Erst die Völkerwanderung hat Europa zu dem gemacht, was es ist.
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Danke.

http://www.taz.de/!5212691/#bb_message_3276342

Kommentar Rücktritt Jannis Varoufakis Die Rolle des Rambo ist zu Ende – Ulrike Herrmann

File photo of Greek Finance Minister Varoufakis wearing his helmet before leaving the Maximos Mansion on his motorbike after a meeting with PM Tsipras in AthensMit seinen verbalen Aggressionen reagierte Varoufakis auf die strukturelle Gewalt der Gläubiger. Zu Recht. Um seine Zukunft muss er sich nicht sorgen.

Es ist nur konsequent, dass der griechische Finanzminister Jannis Varoufakis zurückgetreten ist. Seine Rolle ist zu Ende – und er hat sie mit Bravour erfüllt. Er hat den Rambo gegegeben, der die Gewissheiten der Eurozone aufsprengt.

Varoufakis hat polarisiert und auch polemisiert. In seinem letzten Interview nannte er die Troika „Terroristen“. Mit seiner verbalen Aggression reagierte er auf die strukturelle Gewalt der Gläubiger, die Griechenland permanent neue Sparprogramme verordnen, die das Land verarmen lassen. Varoufakis wollte zumindest sprachlich Waffengleichheit herstellen.

Die Rollenverteilung zwischen Varoufakis und dem griechischen Premier Tsipras war klar: Die beiden führten das klassische Good Cop/Bad Cop-Theater auf. Auf den Eurogipfeln gab Tsipras den freundlichen Kumpel, während Varoufakis seine Expertise als Volkswirt zur Schau stellte. Dabei trat er als nerviger Besserwisser auf, was seinem Naturell durchaus entspricht.

In deutschen Medien wird gern der Eindruck erzeugt, die Griechen hätten mehr Zugeständnisse herausholen können, wenn Varoufakis nicht so penetrant gewesen wäre. Doch es war genau anders herum: Die Griechen benötigten zumindest ein Delegationsmitglied, das so richtig unangenehm werden konnte.

Denn sonst hätten die Gläubiger niemals zugehört. In ihrer Machtfülle hatten sie der neuen Syriza-Regierung die gleiche Rolle zugedacht, die auch schon die konservativen Vorgänger unter Samaras zu spielen hatten: Als brave Schüler sollten sie ihre „Hausaufgaben“ machen. Syriza hatte also keine Chance – und nutzte sie.

Er wird nicht mehr gebraucht
Varoufakis wusste von Anfang an, dass dieser Kurs mit seiner Demission enden würde. Er war noch keine sechs Wochen an der Macht, da sagte er in einem Interview über sich und seinen Chef Tsipras: „Wir kleben noch nicht an unseren Stühlen.“ Auch ein Referendum brachte er schon damals ins Gespräch.

In Griechenland wurde seit Monaten spekuliert, dass Varoufakis abtreten würde, sobald das zweite Hilfsprogramm ausläuft. Also Anfang Juli. Und so ist es gekommen. Denn Varoufakis wird nicht mehr gebraucht. Verbale Attacken sind überflüssig und schädlich, wenn die maximale Eskalationsstufe sowieso erreicht ist.

Jetzt muss die Eurozone entscheiden, ob sie den Griechen ein Angebot machen will, das sich Angebot nennen lässt. Dafür ist Tsipras richtig, der nach dem Referendum sofort in die Rolle des umsichtigen Staatsmannes geschlüpft ist.

Um seine Zukunft muss sich Varoufakis keine Sorgen machen: Die fünf Monate als griechischer Finanzminister haben seinen „Marktwert“ als Vortragsredner enorm gesteigert. Außerdem hat er genug Stoff für ein neues Buch, das schon angekündigt ist und garantiert ein Bestseller wird. Für Varoufakis war sein Gastspiel als Finanzminister eine Win-Win-Situation.

Zum Glück. Denn auch der Rest der Eurozone kann dankbar sein, dass Varoufakis den Wahnsinn des Sparkurses so hartnäckig attackiert hat. Aber es wird noch dauern, bis diese Einsicht außerhalb Griechenlands eine Chance hat.

———–

Rambo? – Eishockeyspieler vom Feinsten.
Uneingeschränkt d ´accord.
—–

ok – Sisyphos soll ja ein glücklicher Mensch gewesen sein –
&Klemmis bei der Hitze ja auch nachvollziehbar!
ergo – 2.0

Rambo? – Eishockeyspieler vom Feinsten.
Uneingeschränkt d ´accord.
——-

@HELGE SCHNEIDER „…sie werden die faz jetzt wohl nicht als unseriös darstellen wollen???.“

Nö – das wär ja auch vergebliche Liebesmühe –

Das macht dieses Fachblatt für im Kohlenkeller noch Schatten werfen – Ganz prima&vondelleine.
Da könnten wir ers gar nich an klingeln.;)
——–

Ja wie – Leibesübungendifferenz –
Fehlanzeige bei den modzis?!
Ok – 3.0

ok – Sisyphos soll ja ein glücklicher Mensch gewesen sein –
&Klemmis bei der Hitze ja auch nachvollziehbar!
ergo – 2.0

Rambo? – Eishockeyspieler vom Feinsten.
Uneingeschränkt d ´accord.

Quarantaine du taz
Bitte haben Sie Geduld und senden Sie ihn nicht mehrfach ab. – ok –
mit F.K.Waechter – NÖ WIESO!
——-
@DORIANXCK(-> d ´cc – aber Rambo goutieren , weil links?)
Gemach –

Wir wären sicher alle gern dabei gewesen – so als Mäuschen – Yannis gegen den Rest – Schäuble Dijselberg Angie et al –

Wie geht ein rasanter Eishockeymäßigunterwegens
mit nunja – eher schlichten, ja bekannt verbohrten Kontrahenten um – Zumal mit dem Rücken an der Wand!

kleiner tipp –
seine Präsentation – Des Minotaurus – a video

https://m.youtube.com/watch?v=MEUWxNifJJ8

Viel Spaß dabei – Sie werden vermutlich – wie ich – Lust bekommen seine gut lesbaren Bücher in die Hand zu nehmen. – &

Frau Herrmann hat auf die strukturelle Gewalt hingewiesen – (ich konnte solches ansatzweise a job ein paar mal
öh erleben; saß aber am längeren Hebel)
Dennoch – von außen is da leicht urteilen;  deshalb ist mir  „Rambo“ auch a weng knackig –
(als angefetteter Aufmacher hinnehmbar;)
——–
@  .. . .s.u.

@VIKTOR SCHMITT (-> Varoufakis die schlechteste Besetzung)

@ „…Um davon abzulenken hat er dann den Rambo gegeben.

Aber dafür hätte er Tag und Nacht arbeiten müssen, was er offensichtlich nicht gemacht hat.“
You made my day –
Endlich mal einer – Der sagt was Sache is –  Yannis – du faule Sau – Immer am Trallafittitresen rumstehen – die
Damenwelt – außer La Solaria&FDJAngie charmieren – allewealt Rambonieren – &Behelmt am Draht ziehn –
Alte Ökosau.
Statt – Schaffe Schaffe Schaffe – ha
Wiewo mir!!!! – OSCHI, gell!!
kurz – Yannis in die Eieruhr!
Das walte Schäuble!
(ps – eins vonde paaarr Vierdele war wohl schlecht. -… ‚tchullliiguuunng;)

http://www.taz.de/Kommentar-Ruecktritt-Jannis-Varoufakis/!5210406/